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Kenntnis der lateinischen Sprache und Literatur von ihren
Anfängen bis zum Ende der Antike (um 500), wobei christliche und nichtchristliche
Spätantike als gleichwertig aufgefaßt werden. Besondere Bedeutung kommt der
sogenannten Klassischen Epoche (1. Jh. v. Chr. und 1. Jh. n. Chr.) wegen ihrer
Wirkungspräsenz in der Weltliteratur der späteren Zeit zu. Unverzichtbar für
die Ausbildung des Diplomlatinisten sind darüber hinaus Kenntisse der altgriechischen
Sprache und der für die römische Literatur der Vorklassik (v. a. der Dramen)
und der Klassik (z. B. Vergils Aeneis) wesentlichen Werke der griechischen
Literatur einerseits sowie andererseits der Sprachentwicklung des Vulgärlateins
in der Spätantike als der Grundlage der romanischen Tochtersprachen.
Da die römische Literatur (Vorklassik, Klassik, Nachklassik),
aber auch in vielen Fällen die lateinische Literatur der Spätantike (z. B.
in der Fachschriftstellerei) eine Vermittlerrolle zwischen der griechischen
Geisteswelt und dem anfänglich durch die katholische Kirche lateinisch geprägten
Kulturkreis West-, Mittel- und Nordeuropas einnimmt, ist die Kenntnis der
wichtigsten diesbezüglichen Entwicklungslinien der lateinischen Literatur
des Mittelalters und der Neuzeit heute für den diplomierten Latinisten unabdingbar,
soll er doch imstande sein, den zentralen Ausbildungsgegenstand, eben die
Literatur der Römer, diachron und interdisziplinär zu begreifen. Ferner sind
Grundkenntnisse in den anderen altertumswissenschaftlichen Disziplinen (Alte
Geschichte, antike Epigraphik, Klassische Archäologie und antike Kunstgeschichte)
erforderlich, um das geistig-kulturelle Umfeld der römischen und der spätantiken
Literatur zu verstehen. Den genannten Ausbildungszielen wird im Studienplan
dadurch Rechnung getragen, daß Lehrveranstaltungen zu griechischer Literatur
und Sprache, soweit diese für die Römer relevant waren, zur Alten Geschichte,
Klassischen Archäologie und antiken Epigraphik sowie zur Sprachgeschichte
des Lateins vor und nach der Klassik und zur Wirkungsgeschichte der römischen
Literatur in Mittelalter und Neuzeit vorgesehen sind. Basis für eine verantwortungsvolle
Ausbildung bleibt die gründliche Kenntis der klassischen lateinischen Sprache.
Sie gibt dem Latinisten das Profil gegenüber anderen altertumskundlichen,
sprach- und literaturwissenschaftlichen Disziplinen und befähigt ihn, mit
diesen auf wissenschaftlichem Gebiet ertragreich zusammenzuarbeiten.
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